Pressemitteilung | Es zerreißt uns das Herz!
AndersARTiG zum islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD
Potsdam, den 27. Juli 2026
Nach dem abscheulichen Anschlag auf Teilnehmer*innen des Berliner CSDs erklärt Lars Bergmann, Geschäftsführer des Landesverbands AndersARTiG:
Es zerreißt uns das Herz, daß eine Person ihr Leben und 29 weitere ihre körperliche Unversehrtheit und Gesundheit verloren haben, nur weil sie friedlich für Vielfalt und gesellschaftlichen Zusammenhalt demonstriert haben. Unsere Anteilnahme und Solidarität gelten allen Opfern und ihren Angehörigen und Freund*innen. Wir verurteilen diesen Anschlag auf unsere queere Community und unsere demokratische Gesellschaft zutiefst.
Unsere Bewegung braucht nun Zeit und Raum für Trauer und Anteilnahme. Keinesfalls werden wir es aber zulassen, daß unsere Trauer und Fassungslosigkeit für politische Hetze instrumentalisiert werden. Daher rufen wir alle Menschen sowohl innerhalb als auch außerhalb unserer Communities zur Besonnenheit auf. Lassen wir uns nicht spalten und widerstehen wir gemeinsam der Versuchung allzu einfacher Pauschalurteile. Queerfeindlichkeit besser zu bekämpfen und die Ursachen besser, umfassender und frühzeitiger zu erkennen, ist das Gebot der Stunde. Unsere Fachstelle für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt betreibt hierfür das Monitoring zu Queerfeindlichkeit in Brandenburg.
Dieser feige Angriff galt der ganzen Gesellschaft und unserer freiheitlichen demokratischen Grundordnung. Wahr ist aber auch, daß sich der Attentäter mit dem Berliner CSD gezielt eine besonders verletzliche gesellschaftliche Gruppe zum Ziel seines Anschlags genommen hat. Die Art und Weise, wie sich Politik und Gesellschaft ob auf kommunaler Ebene, auf Landes- oder Bundesebene nun mit den Folgen auseinandersetzen, wird aus queerer Perspektive also besonders aufmerksam verfolgt. Die Frage, wie es mit unserem Land weitergeht, hängt nicht zuletzt auch damit ab, wie man mit queeren Menschen umgeht und welche Maßnahmen man ergreift oder im Lichte dieses feigen Anschlags dann doch lieber unterläßt.
Es ist daher aus unserer Sicht ein fatales Signal, wenn Bildungs- und Aufklärungsprojekte an Schulen gekürzt und Beratungsangebote weiterhin prekär finanziert werden. Der Anschlag auf den Berliner CSD und auch die Bedrohungslagen auf den Brandenburger CSDs, wie auch allgemein im ländlichen Raum Ostdeutschlands zeigen, daß es falsch ist, Projekte, die sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt engagieren, die Queeres Leben überhaupt erst sichtbar machen, zu kürzen oder zu streichen.
Die Bundesregierung rufen wir daher auf, die Streichung der Mittel für das Jugendnetzwerk Lambda, sowie das Bundesprogramm „Demokratie Leben!“ zurückzunehmen und endlich Anstrengungen zu unternehmen, das Grundgesetz im Artikel 3 um die Merkmale der sexuellen Orientierung und Geschlechtsidentität zu erweitern.
Die Brandenburger Landesregierung fordern wir auf, den von ihr fortgeführten Aktionsplan Queeres Brandenburg kraftvoll voranzutreiben und die dort formulierten Maßnahmen und Zielsetzungen bedarfsgerecht und langfristig zu finanzieren und in Partnerschaft mit der queeren Community umzusetzen, anstatt den Rotstift anzusetzen, wie es für die laufenden Haushaltsverhandlungen angekündigt ist.
Dann kann vielleicht der seit Sonnabend erschütterte Glaube daran, daß wirklich jeder in der Wahrnehmung seinerihrer Grundrechte geschützt wird und der Staat dazu beiträgt den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu festigen, wieder gefestigt werden.















