Pressemitteilung | Queere Jugendarbeit stärken statt Strukturen gefährden
Gemeinsame Pressemitteilung der Kontakt- und Koordinierungsstelle für Mädchen*arbeit im Land Brandenburg (KuKMA), des Landesverbands AndersARTiG e.V., des Landesjugendrings Brandenburg e.V. sowie der Kinder- und Jugendbeauftragten des Landes Brandenburg
Potsdam, den 27. August 2026
Die Kontakt- und Koordinierungsstelle für Mädchen*arbeit im Land Brandenburg (KuKMA), der Landesverband AndersARTiG e.V., der Landesjugendring Brandenburg e.V. sowie die Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes Brandenburg, Katrin Krumrey fordern Bund, Land und Kommunen auf, die Strukturen queerer Jugendarbeit nachhaltig und verlässlich zu sichern. Gerade in Zeiten zunehmender Queerfeindlichkeit und gesellschaftlicher Polarisierung braucht es mehr Unterstützung für junge LSBTIQ*Menschen- und nicht weniger.
Der brutale Anschlag auf den Berliner Christopher Street Day im Juli diesen Jahres hat erneut deutlich gemacht, dass queerfeindliche Gewalt keine abstrakte Bedrohung ist. Viele junge queere Menschen erleben Ausgrenzung, Diskriminierung oder Ablehnung im Alltag, in ihren Familien, in Schulen oder im öffentlichen Raum. Um so wichtiger sind pädagogisch begleitete Schutz- und Empowermenträume, in denen sie Gemeinschaft, Unterstützung und Anerkennung erfahren können.
Besonders alarmierend ist vor diesem Hintergrund die bundesweit diskutierte Entscheidung des Bundesjugendministeriums, die bisherige Rahmenförderung des Jugendnetzwerk Lambda zum Jahresende auslaufen zu lassen. Zahlreiche Medien sowie fast 200 Organisationen aus Jugendverbandsarbeit und Zivilgesellschaft haben vor den Folgen dieser Entscheidung gewarnt. Lambda ist seit Jahrzehnten die zentrale bundesweite Selbstorganisation queerer junger Menschen und erreicht mit Beratungs-, Bildungs- und Empowermentangeboten insbesondere Jugendliche, die vor Ort keine unterstützenden Strukturen finden. Nach Angaben des Verbands ist derzeit unklar, wie die Arbeit ab 2027 finanziell abgesichert werden kann.
Für Brandenburg hätte ein Wegfall dieser Strukturen weitreichende Folgen. Besonders im ländlichen Raum fehlen häufig wohnortnahe Angebote für queere Jugendliche. Online-Angebote wie das von Lambda aufgebaute digitale Jugendzentrum „lambda space“ ermöglichen jungen Menschen, Gemeinschaft zu erleben, Erfahrungen auszutauschen und Unterstützung zu finden, unabhängig von ihrem Wohnort. Der mögliche Verlust solcher Angebote würde die Isolation vieler Jugendlicher weiter verstärken.
Die unterzeichnenden Organisationen betonen daher, dass queere Jugendarbeit nicht von kurzfristigen Projektlaufzeiten abhängig sein darf. Jugendliche benötigen verlässliche Ansprechpersonen, kontinuierliche Angebote und langfristig gesicherte Strukturen. Demokratiebildung, Prävention von Diskriminierung, Beratung und Empowerment können nur dort nachhaltig wirken, wo Fachkräfte, Vereine und Jugendverbände auf eine stabile Finanzierung bauen können.
„Wer queere Jugendarbeit lediglich projektweise finanziert, gefährdet die Grundlagen erfolgreicher Jugendverbandsarbeit. Junge Menschen brauchen Kontinuität, Beteiligungsmöglichkeiten und Vertrauensräume. Dafür sind strukturell abgesicherte Angebote unverzichtbar.“ Erklärt Lars Bergmann, Geschäftsführer des Landesverbands AndersARTiG e.V.
Die Organisationen fordern deshalb:
- die Bundesregierung auf, die Kürzungen im Bereich der bundesweiten queeren Jugendverbandsarbeit zurückzunehmen und eine langfristige strukturelle Finanzierung queerer Jugendorganisationen sicherzustellen.
- die Landesregierung Brandenburg auf, die Umsetzung des Aktionsplans „Queeres Brandenburg“ konsequent fortzuführen und die Finanzierung queerer Fach- und Jugendstrukturen dauerhaft abzusichern.
- die Kommunen auf, bestehende Unterstützungsangebote, CSDs und lokale Projekte für queere Jugendliche nicht zu kürzen, sondern als wichtigen Beitrag zu Demokratie, Vielfalt und gesellschaftlichem Zusammenhalt anzuerkennen und zu fördern.
- alle Träger der Kinder- und Jugendhilfe auf, Vielfalt und geschlechtliche sowie sexuelle Selbstbestimmung als selbstverständlichen Bestandteil ihrer Arbeit zu verankern und entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten auszubauen.
Queere Jugendarbeit ist kein Sonderinteresse einzelner Gruppen. Sie ist ein unverzichtbarer Bestandteil einer demokratischen, diskriminierungssensiblen und inklusiven Kinder- und Jugendhilfe. Wer junge Menschen stärken will, muss die Strukturen stärken, die ihnen Schutz, Teilhabe und Selbstbestimmung ermöglichen.
Für Rückfragen steht Ihnen Lars Bergmann vom Landesverband AndersARTiG e.V. unter lars.bergmann@andersartig.info bzw. 01525 – 5347597 zur Verfügung.
Die Organisationen erreichen Sie unter:
KuKMA – Kontakt- und Koordinierungsstelle Mädchen*Arbeit im Land Brandenburg
Träger: Frauenpolitischer Rat Land Brandenburg e.V.
Alina Bongk, Projektleitung KuKMA
Alter Markt 6 │14467 Potsdam
E-Mail: info@kukma.de
Landesverband AndersARTiG e.V.
Lars Bergmann, Geschäftsleitung
Dortutstraße 71A │14467 Potsdam
E-Mail: mail@andersartig.info
Landesjugendring Brandenburg e.V.
Toni Marer – Projekt „Zukunft mit Machen“
Breite Straße 7a | 14467 Potsdam
E-Mail: perspektiven@ljr-brandenburg.de
Katrin Krumrey – Kinder- und Jugendbeauftragte des Landes Brandenburg
Ministerium für Bildung, Jugend und Sport
Heinrich-Mann-Allee 107 | 14473 Potsdam
E-Mail: katrin.krumrey@mbjs.brandenburg.de












