Sichtbarkeit queerer Lebensweisen ist kein Präzedenzfall

[Potsdam, 20.06.2019] Vom 24. – 27. Juni organisiert UPride, die queere Hochschulgruppe der Universität Potsdam, eine Themenwoche zu lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans*, inter* und queeren (LSBTIQ) Themen. Hintergrund ist der nahende 50. Jahrestag der Stonewall-Aufstände in der New Yorker Christopher Street, den man wohl getrost Geburtsstunde der queeren Emanzipationsbewegung weltweit nennen kann. Aus diesem Grund haben sich die Studierenden darauf geeinigt, mit der Hissung der Regenbogenflagge am Campus ein öffentlich sichtbares Zeichen zu setzen für queeres Student_innenleben in Potsdam. Aber sie haben die Rechnung ohne die Unileitung gemacht, die den Zugang zu den vorhandenen Flaggenmasten mit der Begründung verweigert, man wolle keinen Präzedensfall schaffen, der dann rechten Gruppen dazu diene ihre Flaggen dort zu hissen. Geduldet werde ein mobiler Flaggenmast, den die UPride-Aktivist_innen selbst organisieren müssen, weil das dann eben keinen offiziellen Charakter habe.

Die Erklärung der Universitätsleitung führte nicht nur bei den Aktivist_innen sondern auch beim AStA der Universität auf Unverständnis und scharfen Protest. In einer Presseerklärung des AStA heißt es u.a., die Uni zeige so nicht nur, daß ihr die Rechte von LGBTQI+ gleichgültig seien, sie gehe aktiv gegen Aktionen von Studierenden gegen Homo- und Queerfeindlichkeit vor.

Benjamin Biewald, Mitglied von UPride und Lars Bergmann, Leiter der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule & Trans* Belange des Landes Brandenburg erklären hierzu:
„Die Regenbogenflagge ist das international bekannte Erkennungszeichen der LSBTIQ-Bewegung und nicht etwa eine Vereins- oder Gruppenflagge, wie hier suggeriert wird. Selbst die Brandenburger Polizei und sogar der Brandenburgische Landtag haben in diesem Jahr anläßlich des Internationalen Tages gegen Homo-, Bi- und Trans*phobie am 17. Mai die Regenbogenflagge gehißt. Das Bekenntnis zu einer vielfältigen Gesellschaft schließt zwingend die Sichtbarkeit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ein. Wir hätten erwartet, daß die Universität Potsdam dieser Einladung folgt, um ihrerseits ihre Haltung in dieser Frage deutlich zu machen. Zumal z.B. die BTU Cottbus-Senftenberg seit vielen Jahren keine Gefahr irgendwelcher Präzedenzfälle sieht, wenn sie im Rahmen des Cottbuser CSDs die Regenbogenflagge hißt."

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