Pressemitteilung vom 15.01.2014

Weil nicht sein kann...

Im neuen Bildungsplan für allgemeinbildende Schulen des Landes Baden-Württemberg soll ab 2015 der Aspekt der sexuellen Vielfalt verpflichtend verankert werden. Baden-Württemberg folgt damit dem Beispiel Berlin, das im Rahmen seiner „Initiative Akzeptanz sexueller Vielfalt“ bereits seit 2010 verstärkt das Thema sexuelle und geschlechtliche Vielfalt in den Schulen und Bildungseinrichtungen setzt. Gegen diese Pläne richtet sich eine Petition des Baden-Württembergischen Lehrers Gabriel Stängle unter dem Titel „Zukunft – Verantwortung – Lernen: Kein Bildungsplan 2015 unter der Ideologie des Regenbogens“, die inzwischen rund 135.000 Unterstützer_innen nicht nur in Baden-Württemberg sondern im gesamten Bundesgebiet findet.

Nachdem Stängle versichert, sich gegen Diskriminierung von LSBTTIQ-Jugendlichen in der Schule einsetzen  zu wollen - Im Wortlaut heißt es:

„Wir unterstützen das Anliegen, Homosexuelle, Bisexuelle, Transgender, Transsexuelle und Intersexuelle nicht zu diskriminieren. Bestehende Diskriminierung soll im Unterricht thematisiert werden.“ -

geht er zum Angriff auf die (vor Diskriminierung zu schützenden LSBTTIQ-Menschen) über. In Forderungen und Begründung der Petitionsführer heißt es u.a.:

„Die LSBTTIQ-Gruppen propagieren die Thematisierung verschiedener Sexualpraktiken in der Schule als neue Normalität.“

 „Ein LSBTTIQ-Lebensstil, bedinge negative Begleiterscheinungen wie die höhere Suizidgefährdung unter homosexuellen Jugendlichen, die erhöhte Anfälligkeit für Alkohol und Drogen, die auffällig hohe HIV-Infektionsrate bei homosexuellen Männern,[…] das ausgeprägte Risiko psychischer Erkrankungen bei homosexuell lebenden Frauen und Männern.“

 „Die psychischen und somatischen Probleme von Trans*-Menschen werden dabei zu gesellschaftlichen Akzeptanzfragen verkürzt.“

 „Die Petitionsführer fordern ein klares Zeichen der Bildungsplankommission zu einer verantwortungsbewußten Sexualpädagogik und ein „Nein“ zur Überbetonung einzelner Gruppen und ihrer Interessen.“

 „Es gibt keinen empirisch nachweisbaren Zusammenhang zwischen Suizidgefährdung und Diskriminierung, der dies aufgrund nicht akzeptierender Einstellung im Bereich jugendlicher Homosexualität erklären kann.“

Hierzu erklärt Lars Bergmann – Leiter der Landeskoordinierungsstelle für LesBiSchwule & Trans* Belange des Landes Brandenburg

Seit vielen Jahren engagiert sich unser Landesverband mit dem Projekt „Schule unterm Regenbogen“ im Bereich der Schulaufklärungsarbeit zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Brandenburg. Wir haben die Erfahrung gemacht, daß dort, wo Wissen und Selbstreflexion an die Stelle von Unwissen und medialen Zerrbildern treten, ein akzeptierendes Klima in der Schule gedeihen kann. Darauf sind LSBTTIQ-Schüler_innen in besonderer Weise angewiesen, denn immerhin ist Schule ein Zwangskontext für Jugendliche, den sie nicht einfach meiden können, wenn was blöd läuft.

Es macht uns fassungslos, welch anachronistische Töne in Baden-Württemberg von den dortigen Petitionsführern angeschlagen werden und wie viel Zuspruch sie dafür auch aus Parteien und Kirchen erfahren.

Mit der Behauptung die Vorschläge der Bildungsplankommission würden auf eine moralische, ideologische Umerziehung im Sinne von LSBTTIQ-Gruppen zielen, offenbaren die Wortführer indes ihr heterosexistisches Weltbild, das weit entfernt ist von einem modernen, realitätsnahen humanistischen Bildungssystem. Hier wird unterstellt, die Wissensvermittlung über nichtheterosexuelle Identitäten führe im Ergebnis dazu, daß Jugendliche selbst LSBTTIQ werden. Das ist aus unserer Sicht vollkommen abwegig und gehört in die Abteilung „Irrwege der Sexualitätsforschung vergangener Zeiten“. Richtig ist, daß es keine bewußte Entscheidung ist, schwul, lesbisch, bisexuell oder trans* zu sein. Bewußt entscheidet man sich für oder gegen ein Coming-Out. Diese Entscheidung hingegen ist unmittelbar davon abhängig, wie akzeptierend das Umfeld mit sexueller Vielfalt umgeht. Wir fordern daher alle Menschen, Organisationen, Medien und Presse auf, sich für Vielfalt und gegenseitigen Respekt zu engagieren und die inzwischen gestartete Gegenpetition zu unterstützen.

Die Gegenpetition finden Sie unter:

https://www.openpetition.de/petition/online/gegenpetition-zu-kein-bildungsplan-2015-unter-der-ideologie-des-regenbogens

Wir bitten Sie die Gegenpetition durch Veröffentlichung zu unterstützen.
Für Rückfragen stehen wir gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
Landesverband AndersARTiG e.V.

Drucken | Gefällt mir